20. September 2019
Bericht: Shwäbische Zeitung

Mehr Wildheit im Garten zulassen

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Zum aktuellen „Gartenkultur fördern – Landschaft bewahren“ hatte der Obst- und Gartenbauverein Bad Waldsee gemeinsam mit dem Bezirksverband am Mittwoch alle Garten- und Naturfreunde in den Kursaal der Stadthalle Bad Waldsee eingeladen. Zwei Fachleute referierten über Biodiversität vom Blumentopf bis zum Acker sowie über naturnahe Gärten. Knapp 100 Besucher hörten gespannt die Ausführungen der Experten. Es war auch möglich, direkt Fragen zu stellen.

Karl Emmendörfer, Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins Bad Waldsee, stellte bei der Begrüßung fest, dass sein neuer Stellvertreter Edwin Bertrand die Kontakte zu den Referenten herstellte. Bertrand führte sogleich auch auf die beiden ausgewählten Themen ein. Er freute sich, dass neben einem Vertreter des Regierungspräsidiums auch eine selbständige Garten- und Landschaftsarchitektin aus Argenbühl hier Rede und Antwort stehe. Diese Veranstaltung solle aber auch der Auftakt für weitere aktuelle Garten- und Landschaftsvorträge darstellen.

Unter Biodiversität verstehen Fachleute das Zusammenspiel einer Vielfalt von Arten und Ökosystemen. Karl Maier vom Regierungspräsidium Tübingen, Diplom in internationaler Agrarwissenschaft, Landwirt, Hofkäser und Hobbyimker, verstand es, Zusammenhänge zu erläutern. So seien in den nächsten Jahrzehnten eine Million Pflanzen und Tierarten vom Aussterben bedroht. Zwar freuen sich alle Autofahrer, dass im Gegensatz zu früher heute die Autoscheiben kaum mehr mit Insekten beklebt sind. Doch dieser massive und besorgniserregende Insektenrückgang habe Ursachen im Landschaftsstrukturwandel, in den erneuerbaren Energien, bei den Nährstoffeinträgen, der Gewässerqualität sowie den Pflanzenschutzmitteln und sei sehr ernst zu nehmen.

An dieser Stelle kam die Frage eines Besuchers, warum das Regierungspräsidium den Kommunen bei der Pflege der Straßen und Wegränder immer noch chemische Unkrautmittel zulasse. Maier nannte dazu die Sicherheit im Straßenverkehr sowie das Verhindern von Giftkräutern. Er freue sich aber, dass viele Städte und Gemeinden in den letzten Jahren mit dem Anlegen von Blühstreifen doch einen wichtigen Beitrag zum Erhalt von Insekten leisten. Sehr positiv seien auch viele Streuobstwiesen mit bis zu 5000 Tier- und Pflanzenarten. Unser schwäbisches Streuobstparadies stelle das größte zusammenhängende Streuobstgebiet Europas dar.

„Mein Garten soll pflegefreundlich sein, doch es soll auch von Frühjahr bis Herbst etwas blühen“, diese Antwort hört Landschaftsarchitektin Simone Kern ganz oft bei Beratungsgesprächen. Wörtlich: „Um dieses dazu noch in einem insektenfreundlichen Terrain in Einklang zu bringen, muss ich den Mut aufbringen, auch Unkräutern und Schädlingen einen Platz zu lassen“. Kern weiter: „Seien Sie einfach tolerant zu ‚ungeplanten Vagabunden‘, lassen Sie einem wuchernden Giersch mit den schönen weißen Dolden doch mal seinen Platz, ausrotten lässt er sich ja sowieso nicht.“ Auch kam ihr Rat, einen Brokkoli schon mal zum Blühen kommen zu lassen, da er wunderschön sei. Und eine Empfehlung dazu: „Lassen Sie im Herbst abgeblühte Stängel einfach bis zum Frühjahr stehen, sie sind wichtige Überwinterungsorte für viele Lebewesen.“

In ihrem Buch „Der antiautoritäre Garten“ beschreibt Kern, wie durch eine geschickte Planung und Anlage die Pflanzen selbst den Großteil der Gartenarbeit übernehmen. Die Frage: „Wann brauche ich hier eigentlich nichts tun“, gehöre obligatorisch dazu. Solidarisch mit dem ersten Referenten ging die Landschaftsarchitektin auch auf die Wichtigkeit der Honig- wie auch der Wildbienen ein. Mit heimischen Pflanzen, Sträuchern und Bäumen – beispielhaft Kornelkirsche statt der aus Asien stammenden Forsytie – bleibt deren Lebensraum erhalten. Honigbienen benötigen blühende Flächen von März bis November. Wildbienen brauchen Lebensräume wie Totholz oder auch mal eine Sandecke. Ein aufgestelltes Bienenhotel muss nicht bunt angemalt, sondern artengerecht gebaut sein.

 

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Schwäbische Zeitung / Ausgabe: Bad Waldsee vom 04.09.2017


Schwäbische Zeitung / Ausgabe: Bad Waldsee vom 01.09.2017


Schwäbische Zeitung / Ausgabe: Bad Waldsee vom 19.12.2016

 

 

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